MSI G33M-FI: Marvell PATA und Linux
Am Wochenende hab ich mal wieder einen Rechner zusammengebaut, welcher als kleiner SOHO-Server dienen soll. Mit einem Intel Core2Duo (E8200), 4GB Speicher und 2 x 320GB Platten (RAID1) wird er bald als Entwicklungsumgebung eingesetzt. Jedoch stellte mich die Installation zunächst vor eine bisher unbekannte Herausforderung.
Eigentlich verläuft eine Linux Installation ohne Probleme. Diesmal wollte der Start aber schon nicht gelingen. Der Server sollte mit CentOS betrieben werden. Bis zu der Auswahl des Installationsmediums verlief alles nach Plan. Dann meckerte der Installer, dass für das Gerät keine Treiber vorhanden wären. Wie ich später herausgefunden habe meinte er hiermit das DVD-Laufwerk, welches an den IDE-Bus angeschlossen ist.
Da die Southbridge (ICH9) keinen IDE-Bus mehr vorsieht, kommt hierfür ein Marvell Chip zum Einsatz. Dieser versorgt den SATA-Port 7 und den einzigen IDE-Anschluss. Im BIOS sucht man nach Einstellmöglichkeiten jedoch vergeblich.
Einstellen lässt sich offensichtlich nur wie die SATA-Geräte angesprochen werden. Die Auswahl erlaubt IDE und AHCI. Hier habe ich beide Optionen ausprobiert, jedoch jedesmal ohne Erfolg.
In einem Thread im CentOS Forum fand ich dann endlich die Lösung. Der Kernelparameter all-generic-ide sorgt dafür, dass auch mein IDE DVD-Laufwerk korrekt erkannt wird. SATA-Ports auf AHCI und die Installation verlief von da an wie gewohnt.
Allerdings wurde ich nach dem ersten Neustart gleich ein zweites Mal überrascht: die integrierte Netzwerkkarte (auch Marvell) wurde nicht erkannt. Die Nutzung ist bei CentOS 5.1 nur über Pakete von ATRpms möglich. Finde ich doch etwas enttäuschend.
Da das System erst frisch aufgesetzt war versuchte ich eine erneute Installation. Diesmal mit Ubuntu 8.04 LTS Server. Der Kernelparameter all-generic-ide darf auch hier nicht fehlen. Ansonsten verlief die Installation auch fehlerfrei. Das Einrichten des RAID und LVM ist mit der Ubuntu-Installation etwas angenehmer.
Nach dem ersten Neustart - alles tatellos erkannt. Da ich aktuell mit Ubuntu ohnehin mehr Bescheid weiß als mit CentOS, läuft auf dem neuen Server nun Ubuntu 8.04 Server.
Übrigens hat eine Windows-Installation keine Probleme mit dem Marvell PATA. Hier wurde ohne manuelles Zutun alles erkannt.
Update 15.05.2008: Bei CentOS wurden von den 4GB Arbeitsspeicher lediglich ca. 3,3GB erkannt, obwohl der Xen-Kernel PAE unterstützen soll. Wie ich nun erfahren habe müsste ein aktueller Grub das Problem beheben. Unter Ubuntu wurden nach der Installation sofort 4GB erkannt.

